30. 05

Eigentlich wollten wir uns gestern ja [ofdb film="100954"]X-Men3[/ofdb] ansehen... Leider lief der in unserem tollen Dillinger Kino aber nur in Kino 2, dessen Leinwand nur unwesentlich größer ist, als mein Fernseher. Also haben wir uns doch zu [ofdb film="94987]Da Vinci Code[/ofdb] durch gerungen, der im großen Kino 1 lief.
Um es positiv auszudrücken: Ich fand ihn nicht so schlecht wie erwartet, ich fand ihn nicht wirklich schlechter als das Buch - nur genauso schlecht.

>Exkurs: Dan Brown<
Ich frage mich eh, warum Dan Brown momentan so hoch gehandelt wird. Eigentlich ist alles was er schreibt hochgradig trivial, nicht mehr als ein seichter literarischer Snack für zwischendurch. Jemand mal Diabolus, OT: Digital Fortress, gelesen? Jeder, dessen Computerwissen etwas über die Unterscheidung von Maus und Tastatur hinausgeht, wird sich bei dem, was Brown in diesem Roman vom Stapel lässt, gruseln. unentschlüsselbare Codes mittels Mutationsketten... So etwas passiert, wenn man Bücher über Dinge schreibt, von denen man keine Ahnung hat. Ich glaube, dass Buch wurde in Deutschland auch erst nach Sakrileg und Co veröffentlicht, verständlicherweise. Ohne den Brown-Hype hätte sich keiner freiwillig diesem Buch gewidmet. Das folgende Meteor war nicht wirklich besser, Neu war eigentlich nur, dass jetzt auch noch unmotiviert zwischen zwei total verschiedenen Schauplätzen hin und her gesprungen wurde. Dafür konnte man Meteor (wenn man denn wollte) sogar während einer Ampelrotphase weiter lesen. 133 Kapitel auf 588 Seiten, also ca. alle 4 Seiten ein Schauplatzwechsel, das könnte fast für einen Rekord reichen.
Außerdem gilt: Kennst du einen, kennst du alle. Neben abstrusen Themen, einer Priese Weltverschwörung und öder Inszenierung ähneln sich auch sonst die Bücher stark. Erfolgreicher, superschlauer Professor/Forscher und erfolgreiche, hübsche, superschlaue Frau lösen jedes Rätsel, mutieren zu einer Mischung aus Superman und Indiana Jones, jetten um die Welt und retten selbige.
So, genug Frust über Dan Brown abgelassen, zurück zum Film ;)
>/Exkurs<

Warum es im Film geht, dürfte eigentlich jeder nach gefühlten 1000 Galileo-Specials, Berichten in jeder Zeitung etc, eigentlich wissen. Falls nicht, eine Ultrakurzzusammenfassung: Professor Langdon (erfolgreich, superschlau usw), gespielt von Tom Hanks, wird zum Mord des Louvre Direktors gerufen, welcher kurz vorm Sterben noch Lagdons Namen mit Eigenblut auf den Boden schrieb. Dort wird er natürlich gleich zum Verdächtigen, flieht aber mit Sophie Neveu (hübsch, superschlau etc), der Enkelin des Direktors, gespielt von Audrey Tautou (Wunderbare Welt der Amelie). Langsam kommen die beiden dabei dahinter, dass sie sich inmitten einer großen Verschwörung (Weltverschwörung usw) befinden, in der diverse Geheimbünde, die Kirche, und der Gral eine Rolle spielen.
Aus dem Thema könnte man bestimmt einen guten Film, basierend auf einem guten Buch machen. Nur leider kann man eben nur einen schlechten Film drehen, wenn das ganze auf einem schlechten Brown basiert.

Schon Anfangs wird klar, dass der Film einfach zu viel unterbringen muss, alles passiert mit einem höllischen Tempo. Langdon sieht einen scheinbar sinnlosen Satz, erkennt das es ein Anagramm ist und löst es 10sec später. Die davor stehende Zahlenfolge wurde praktischerweise, bevor man sie überhaupt richtig zu Gesicht bekommt, schon von Sophie als Fibonacci-Folge enttarnt. Man folgt also dem ersten Anagramm, findet ein zweites, löst auch dieses in 10sec, folgt dem Hinweis, findet einen Schlüssel, flieht aus dem Louvre - fertig. Alles dauert im Film nicht viel länger als man braucht, um den Satz zu lesen. Alles scheint trivial und wird ohne jede Spannung oder Rätselraten gelöst. Das ganze bekommt den Charakter einer Schnitzeljagd für Superschlaue.
Bei der Flucht darf Ms Neveu dann noch zeigen, dass sie einen Smart rückwärts besser durch den Pariser Verkehr lenken kann, als die gemeine Frau einparkt.
In diesem Stil geht es dann über 2h weiter. Fahren/fliegen/laufen zum nächsten Ort, einen neuen Hinweis finden, diesem Folgen etc. Alles passiert konsequent ohne irgendwelche Spannung aufzubauen oder dass man zum Mitdenken angeregt wird, dafür ist das Tempo einfach zu gehetzt.
Zwischendurch darf man dann noch Silas bei der, für den Film eigentlich total sinnlosen und viel zu langen, Selbstgeißelung zusehen. Auch Silas Flashback-Szene hängt, falls man das Buch nicht kennt, ziemlich sinnfrei in der Luft. Apropos Silas: War ich der einzige der bei der Schlußsteinsuche an Indiana Jones 3 denken musste? Dieses "Benutze Pfosten mit Bodenplatte" ist nicht wirklich neu ;)

Beim verrückten Gralforscher Sir Leigh Teabing, gespielt von Gandalf Ian McKellen, kommt dann sogar etwas Galileo-Feeling auf. Hier wird, in endlos langen Dialogen, die wahre, total abstruse, Jesus- und Grals-Geschichte erklärt. Unterstützt wird das ganze visuell auf einem großen Flachbildfernseher, ganz im Galileo-Style. Fehlte eigentlich nur noch Aiman Abdallah der ein "Wahrheit oder Legende? Wir wissen es nicht, aber wir bleiben dran." zum Besten gibt. Spätestens hier wird auch eine andere große Schwäche des Filmes klar: Es sind unendlich lange Dialoge nötig um die holprige Story weiter zu bringen. Laufend wird etwas erklärt, zusammengefasst und analysiert ohne das man wirklich auf den Punkt kommt. Damit das Ganze nicht zum totalen Monolog einer Person verkommt, darf Sophie ab und an ein "Das verstehe ich nicht." einwerfen, so als Auflockerung. Visuell werden immerhin ein paar nett gemachte historische Rückblicke eingebaut, allemal interessanter, als mal wieder einem Darsteller beim Erzählen zuzusehen.

Nach dieser erschöpfenden (in jedem Sinne...) Erklärung, geht es dann gewohnt weiter: Gehe zu A, finde Hinweise, folge Hinweis... Um das ganze spannender zu machen, darf jetzt noch (fast) jeder Charakter einen Gut<->Böse Twist hinlegen, ist zwar sinnlos, aber vielleicht hat Brown ja mal irgendwo gelesen das Charakter-Twists toll sind.
Dann geht es auch schon mit Riesenschritten Richtung (unspektakulärem) Finale, bei dem man noch über einen "Ich bin dein Vater, Luke!" "Ich bin deine Grossmutter, Sophie" Spruch grinsen darf und dann endlich entlassen wird.

So öde wie die Story spielen auch die Schauspieler. Tom Hanks, dessen Frisur doch gar nicht so übel ist, spielt das ganze routiniert, mit ca. zwei verschiedenen Gesichtsausdrücken, hinunter. Amelie Audrey Tautou darf mit Kulleraugen durchs Bild tippeln, ab und an ein "Verstehe ich nicht" oder ähnliches von sich geben und die ganze Zeit über mit einem extremen französischen Akzent in der Synchronstimme nerven. Bei Jean Reno, der Kommissar Fache spielt, hätte man ein paar Millionen einsparen können. Die Rolle ist so unbedeutend, dass hätte jeder Schauspieler gekonnt. Als einzigen wirklich gut fand ich Ian McKellen als Gralsforscher, wobei ich für Ian auch hätte XMen gucken können ;)

Der Film zeigt gut Browns Oberflächlichkeit. Zu viel passiert zu schnell, Null Spannung, kein Charakter, viel Gelaber. Von den Rätseln ist im Film gar nichts mehr übrig und Da Vinci hat eigentlich auch nichts mehr damit zu tun. Da frägt man sich, warum der Film "Da Vinci Code" heisst....
Sinnloser Hype rund um einen mittelmäßigen Autor und einen teuren, langweiligen, weniger als mittelmäßigen Film.
Tags für diesen Artikel:
[2] 7668 Klicks

Trackbacks


Matthew Reilly - Der Tempel
Inhalt: William Race, Professor für Sprachen, wird von der U.S. Army für eine geheimnisvolle Mission verpflichtet: die Suche nach einer jahrhundertealten Inka-Ikone, die angeblich an einem mythischen Ort, in einem Tempel hoch oben in den Anden, zu finde
Weblog: Tharos' Weblog
Aufgenommen: Jul 26, 11:58
Die Therapie - Sebastian Fitzek
Damit niemand meint, ich würde NUR Filme gucken Die Therapie hatte ich mir irgendwann mal bei Amazon bestellt. Wie es halt so ist: Man hat gerade einen 5€ Gutschein, weiß nicht wirklich was man damit machen soll, und kauft dann irgendein Buch mit rela
Weblog: Tharos' Weblog
Aufgenommen: Feb 24, 12:31

Kommentare

Ansicht der Kommentare: (Linear | Verschachtelt)

Man könnte echt meinen, du bist von Dan Brown genervt. ;-)
Dafür dass du ihn nicht magst, kennst du aber ziemlich viele seiner Bücher... :-O
#1 Christain am 30.05.2006 17:45
Ein bischen Recht hat er: "Kennst du einen kennst du alle..." Dann Brown Stories stimmt. Nur die Schnitzeljagd war bisher noch nie so schlimm wie in Da Vinci Code. Frank Schätzing ist auch nahe dran so zu werden.
#2 Markus Lingert (Homepage) am 07.10.2008 16:17

Kommentar schreiben


Umschließende Sterne heben ein Wort hervor (*wort*), per _wort_ kann ein Wort unterstrichen werden.
Die angegebene E-Mail-Adresse wird nicht dargestellt, sondern nur für eventuelle Benachrichtigungen verwendet.

Um maschinelle und automatische Übertragung von Spamkommentaren zu verhindern, bitte die Zeichenfolge im dargestellten Bild in der Eingabemaske eintragen. Nur wenn die Zeichenfolge richtig eingegeben wurde, kann der Kommentar angenommen werden. Bitte beachten Sie, dass Ihr Browser Cookies unterstützen muss, um dieses Verfahren anzuwenden.
CAPTCHA