26. 07
Ich habe mich ja schon über Dan Browns flache, übertriebene Romane aufregen müssen, aber im Vergleich zu dem, was Matthew Reilly in "Der Tempel" abliefert, liest sich Dan Brown wie der nächste Kandidat für den Literaturnobelpreis. Was einem hier aufgetischt wird, lässt sich eigentlich nur als Schund abstempeln, ich glaube da hat sogar jeder Groschenroman mehr Niveau.
Um das ganze jetzt ganz toll spannend zu gestalten, schickt man ungefähr 20 verschiedene Gruppierungen gleichzeitig auf die Suche nach dieser Ikone. Böse Nazis, gute BKA Beamte, ein Navy-Team, ein Army-Team und Extremisten.
Hauptperson ist William Race, ein Professor für alte Sprachen. Vergesst nun alle Vorurteile, die ihr über Professoren für alte Sprachen habt. Sie sind keine alten, etwas schusseligen Käuze mit wirrer Frisur, nein, ihnen gegenüber wirkt Rambo eher wie ein Muttersöhnchen. Es ist schon unglaublich wozu Professoren so im Stande sind:
- Töten eines riesigen Kaimans mittels eines Wurfhakens
- Bedienung jeglicher Art von HighTech-Waffen
- Ein Wasserflugzeug steuernd, wird er von einem Helikopter beschossenen und von einem Schnellboot verfolgt. Durch das Fahren einer Rechtskurve stellt er das Flugzeug so, dass ein Flügel schräg ins Wasser reicht und das Flugzeug so eine Rampe darstellt. Über diesen Flügel rast das Schnellboot, fliegt über das Flugzeug und knallt in den Helikopter, so dass Helikopter und Schnellboot explodieren.
- Öffnen einer Frachtluke eines Flugzeugs von außen, während er aus der Luke eines hinterher fliegenden Flugzeuges hängt, mit anschließendem Sprung in das Frachtflugzeug - auf 18.000 Fuß Höhe wohlgemerkt.
- Rettung aus einem, aus 18.000 Fuß Höhe, fallenden Panzers mittels Jetpack, welches er die ganze Zeit anhatte ohne es zu bemerken
usw usw
Das Buch ist voll solcher hochrealistischen Heldentaten. Reilly beschreibt in endloser Breite Actionsequenzen, z.B. wie sechs Amerikaner auf drei Jetskies die komplette Nazi-Flotte mit Hubschraubern, Hightechwaffen und Kanonenbooten ausschalten. Diese Konfrontation erstreckt sich über fast 100 Seiten im Buch voller belangloser, unglaubwürdiger Superheldenaction. Auch stilistisch ist das ganze eher auf Niveau eines Comics. Schüsse und Explosionen werden oft durch "Peng", "Bumm", "Rumms" unterstrichen. Das mag in einem Comic passend sein, aber in einem Buch wirkt es doch arg lächerlich.
Auch hätte Reilly den Roman nach etwas mehr als der Hälfte beenden können, denn der größte "Showdown" findet dort schon statt, aber nein, er quält den Leser lieber noch durch einige hundert Seiten zur Rückführung der Ikone.
Fazit: Über 600 Seiten voller belangloser, unglaubwürdiger und stilistisch mangelhafter Action. Manchmal habe ich im Zug lieber die vorbeiziehenden Bäume betrachtet als das Buch weiterzulesen, weil es doch mal wieder zu lächerlich wurde. Taugt wegen der Papiermenge höchstens als Grillanzünder ;)
Tags für diesen Artikel: matthew reilly, trash



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