21. 01

Story: Die Berliner Studenten Cora und Thorsten werden Zeuge, wie ein mysteriöser Mann Hamburger über den Zaun eines verfallenen Hauses wirft. Cora drängt darauf, der Sache auf dem Grund zu gehen und so beobachten die zwei sowohl Mann als auch Haus. Nach einer Weile entdecken sie, was in dem Haus versteckt gehalten wird.
Mal sehen, ein deutscher Horror/Mystery-Streifen und dazu noch eine Amateurproduktion, dass dämpft die Erwartungen an den Film schon ziemlich und lässt schlimmes ahnen. Wenn dazu noch die Story auf drei Sätze reduziert werden kann, kommen schon leichte Zweifel auf, ob man sich den Film wirklich ansehen soll. Wie dem auch sei, ich habe mich durch die knapp 80min des [ofdb film="19406"]„Teufel von Rudow“[/ofdb] durchgeschlagen.

Beginnen tut der Film mit der Ermordung einer Blondine, die es durch ihre nicht vorhandenen schauspielerischen Fähigkeiten schafft, einem in 30 Sekunden so auf die Nerven zu gehen, dass man ihr den Tod gönnt. Wer sich jetzt denkt "Man, dass sieht zwar jetzt schon total billig aus, aber vielleicht geht es wenigstens mit ein paar Morden weiter" wird enttäuscht. Der Film hat nun schon 1/3 der Morde hinter sich, und der nächste lässt eine gute Stunde auf sich warten.

Was nun folgt, macht den Eindruck einer TKKG/???-Verfilmung. Unsere zwei Studenten spielen Hobbydetektiv, beschatten Mann und Haus und stellen sich dabei oft mehr als nur unglaubwürdig an. Zwischendurch passiert einfach minutenlang absolut nichts, wie z.B. eine total handlungslose Autofahrt, während der im Hintergrund ein kompletter Song mit dem viel sagendem Text "Ich brauch ein Milchshake" gesungen wird. Das passiert leider öfter mal, eigentlich könnte man sich die Handlung im FastForward ansehen, viel verpassen würde man nicht.
Coras Einstellung zu der ganzen Sache pendelt im Film immer mal wieder hin und her. Erst ist sie es, die das Haus unbedingt genauer untersuchen will, weil sie der Meinung ist, dass dort irgendetwas nicht stimmt. Beim Sichten des Videos der Erkundung meint sie dann die ganze Zeit "Dort ist nichts", um nach der Entdeckung auf dem Video, dass dort doch etwas ist eine "Ich hab es doch die ganze Zeit gesagt!" Mentalität an den Tag zu legen. Ja was denn nun?

Die mit Abstand sinnloseste Rolle des ganzen Filmes hat ein Tomb-Raider-Verschnitt in Lackhose in der Rolle der Detektivin Eve Laroche. Sämtliche Szenen mit ihr tragen zum Film ungefähr so viel bei, wie alkoholfreies Bier zum Alkoholrausch. Allerdings sorgen fast alle Szenen mit ihr für unfreiwillige Komik. Da wäre eine Dialogszene zwischen Eve und Thorsten, die von "coolen" Sprüchen nur so strotzt:
- "Du stehst mir in der Sonne"
- "Sie sind wohl aus nem Comic gefallen"
- "Pass mal auf du Lara Croft für Arme"
Dialoge wie sie das Leben (nicht) schreibt und die beim Zuschauer zu einem starken Verlangen nach sinnloser Gewalt gegen den Fernseher führen.
Die Spielplatz-Action-Szene mit ihr ist nicht minder peinlich. Das ganze beginnt damit, dass Eve das Auto des Mannes findet und von irgendjemandem beschossen wird. Eve zieht ihre Pistole, schleicht etwas um das Auto rum und beschließt dann, sich zum Spielplatz zurückzuziehen. Dort angekommen, wird erstmal ganz cool ein Magazin in die Waffe geschoben - die Sinnlosigkeit der gezogenen, magazinlosen Waffe in der vorherigen Szene ignorieren wir jetzt einfach mal.
Nun dürfen wir Miss Lackhose einige Zeit dabei zusehen, wie sie mit gezogener Pistole in Lara-Croft-Manie durch die Holz-Kletterburg hechtet, auf der Flucht vor dem unsichtbaren Schützen. Die actionreiche Flucht (und damit auch die ganze Szene) endet, wie könnte es auch anders sein, durch Benutzung der Rutsche (hier habe ich mich gefragt, ob das mit einer Lackhose überhaupt so einfach geht... da fehlt mir jetzt leider die praktische Erfahrung ;)). Total sinnlos, peinlich und unfreiwillig komisch.

Hat man diese 70 Minuten Langeweile, die einem wie mehrere Stunden vorkommen, überstanden, weiß der Film in den letzten fünf Minuten noch mit etwas Gore zu überraschen. Mit so etwas hätte man gar nicht mehr gerechnet. Vor allem ist es härter, als man von einem FSK16 Film erwarten würde, und auch ganz gut umgesetzt worden.

Fassen wir zusammen: Dünne Story, peinliche Schauspieler, viel Langeweile - ein Totalausfall? Wenn man den Teufel als ganz normalen Film betrachtet, muss diese Frage eindeutig mit JA! beantwortet werden.
Bedenkt man allerdings, dass der Film ein Amateurwerk ist, sieht es etwas besser aus. Die Kameraarbeit ist größtenteils wirklich gut gelungen, teilweise fast zu gut für Amateure. Auch war in Sachen Locations und Effekte durch geringes Budget wohl nicht mehr drin - auch wenn ich nach wie vor der Meinung bin, dass eine Holz-Kletterburg kein Schauplatz eines Horrorfilmes sein sollte. Die Schauspieler sind auch alle jung und maximal mit TV Erfahrung gesegnet, was die teils hölzerne Performance etwas entschuldigt.
Problem: Der Film steht einfach so in Videotheken rum. Wer einen Film ausleiht, will höchst selten Gehversuche ambitionierter Filmemacher sehen, sondern gute Unterhaltung serviert bekommen. Diese Leute dürften vom Teufel ziemlich enttäuscht werden, denn für Wohnzimmerunterhaltung ist das ganze einfach noch nicht reif.

Auf der Seite von Magiclandpictures gibt es übrigens den Trailer zum Ansehen (auch wenn dieser ein falsches Bild vom Film gibt, und viel Material zeigt, welches gar nicht im Film enthalten ist).

Zur [amazon asin="B0007TWEIK"]DVD[/amazon]: Das Bild ist größtenteils sehr gut gelungen, sieht man von einigen unscharfen Einstellungen mal ab. Der Ton ist klar, der Subwoover darf bei Musikuntermalung auch zum Sound beitragen. Allerdings ist die Nachsyncronisierung des Filmes ziemlich schlecht. Die Aussprache ist überdeutlich, die Betonung gekünstelt - das ganze klingt wie für einen Film auswendig gelernt.
Als Extras gibt es einige geschnittene Szenen, die man meiner Meinung nach ruhig im Film hätte lassen können, eine ganz tolle alternative Szene (*g), Trailer und einen Audiokommentar.
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