29. 05
Der zweite Teil war in meinen Augen ja schon nicht so wirklich gelungen, zu lang, zu überfrachtet und irgendwann ohne richtiges Ende einfach aus. Man konnte nur hoffen, dass der dritte Teil das ganze irgendwie rund zu einem Ende führt. Am Geld sollte es nicht scheitern, angeblich wurden gute 300 Millionen für den dritten Teil ausgegeben, herausgekommen sind am Ende dann immerhin 170 Minuten Film.
Leider ist das Ergebnis mal wieder nicht wirklich überzeugend. Im Nachhinein ist die Story relativ einfach zusammenzufassen: William (Orlando Bloom), Elisabeth (Keira Knightley) und Captain Barbossa (Geoffrey Rush) segeln zum Ende der Welt um Jack Sparrow (Johnny Depp) aus Davy Jones' Reich zu befreien. Jack wird als einer der neun Piratenfürsten gebraucht, um den Rat der Piraten einzuberufen. Mit Hilfe dieses Rates will Captain Barbossa die Göttin Calypso befreien, um mit ihr endlich die verhasste East India Trading Company zu besiegen.
Allgemein stellt sich die Frage, ob beim Drehbuch nicht weniger mehr gewesen wäre. Groß wurde Chow Yun-Fat als Pirat Sao Feng ankündigt. Er bekommt zwar als einziger der Piratenfürsten etwas mehr Screentime, indem gleich zu Anfang sein Versteck gestürmt wird, allerdings verschwindet die Rolle dann auch mehr oder weniger komplett aus der Story. Ebenso wird plötzlich eine Göttin namens Calypso aus dem Hut gezaubert, von der man in den ersten Teilen bis jetzt gar nichts gehört hat. Eigentlich hätte man diese Rolle auch schenken können. Am Ende kommt aus dem ganzen Göttinen-Gedöhns nicht mehr raus, als ein Haufen Krebse und ein Sturm - man fragt sich wirklich, ob man einen Sturm nicht auch einfacher motivieren kann. Umgekehrt wurden Dinge aus der Vergangenheit mehr oder weniger aus dem Plot geworfen. Der Kraken, welcher ja eine tragende Rolle in Teil 2 hatte, wird einfach mit einem Nebensatz aus dem Verkehr gezogen ("Ich habe dich gezwungen dein Haustier zu töten") und darf nur noch einmal kurz tot auf einer Insel rum liegen. Davy Jones selber wird zum armen Handlanger der Trading Company degradiert. Dafür darf, im Teil 1 noch durch und durch böse, Captain Barbossa den netten Onkel von nebenan geben.
Zwischendurch versucht sich Verbinski noch als Möchtegern David Lynch. Das Setting in dem sich Sparrow sich am Ende der Welt befindet ist doch sehr surreal. An sich ja nicht schlecht, nur passt es absolut nicht zum restlichen Stil des Filmes (und aller bisherigen Teile) und wirkt deshalb als deutlicher Bruch. Der Film bietet auch eine kleine (ganz nett gemachte) "Spiel mir das Lied vom Tod" Hommage mit Bild- und Musikanleihen.
FocusTV Bericht über FdK3, der im Kern das Selbe aussagt wie mein Text :)
Link: sevenload.com
Nach ca. zwei Stunden gibt es dann endlich mal Aktion: Ein fast halbstündiges Gefecht von Flying Dutchman gegen Black Pearl. Hier gibt es dann endlich zu sehen, worauf man die ganzen zwei Stunden gewartet hat: Action satt. CGIs aus vollen Rohren, unterstützt von typischen Bombastklängen von Hans Zimmer. Warum gab es davon nicht mehr über die ganze Laufzeit des Filmes verteilt? Für so etwas ist man schließlich ins Kino gegangen, und nicht um sich durch krude Storytwists verwirren zu lassen.
Der letztliche Schluss ist dann wieder etwas enttäuschend. Zwar dürfen die CGI Macher eine komplette Armada für die East India Trading Company am Horizont rendern, dort bleibt sie dann aber auch für den kompletten Rest des Filmes stehen. Zum Einsatz kommt sie nie, die Black Pearl und die Flying Dutchman dürfen in einer 2:1 Situation das Flaggschiff von Lord Beckett versenken und schon ist die Trading Company besiegt. Wenn das nur immer so einfach wäre...
Jetzt noch schnell ein paar Weichen stellen, damit man (wenn die Kasse stimmt) noch einen vierten Teil drehen kann, und dann erst den Zuschauer Richtung Heimat entlassen. (OK, man kann auch noch sitzen bleiben, und sich den nahezu endlosen Abspann ansehen, eine kurze Szene kommt nämlich noch - allerdings ist diese das Warten eigentlich nicht wert).
Was bleibt nun letztlich zusammenfassend zu sagen? Nunja, irgendwie reiht sich der dritte Teil nahtlos in die Reihe der irgendwie unbefriedigenden Fortsetzungen der letzten Zeit ein. Man versucht immer mehr in Filme zu stopfen, was ihnen meist gar nicht gut tut. Auch ist bei Fluch der Karibik irgendwie das selbe Problem wie bei Matrix zu erkennen: Teil zwei für sich allein steht einsam im Raum und Teil drei schafft es nicht einen runden Abschluss zu kreieren. Fluch der Karibik 1 ist definitiv ein guter Film mit einem ganz eigenen Charme, man hätte es vielleicht bei einem Teil belassen sollen.
Kollege Nikaia siehts genauso (nur in weniger Wörtern *g)



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