09. 06

Ein seltsames Buch. Story: Jay ruft seinen alten Kumpel Ben zu sich ins Hotelzimmer, weil er unbedingt mit ihm reden muss. Als Ben kommt, eröffnet Jay ihm, dass er den Präsidenten der USA, George W. Buch, ermorden möchte. Ben versuch ihm dies auszureden, aber Jay verteidigt seine Absicht.

So ganz weiß ich immer noch nicht, was ich von diesem Buch halten soll. Schon der Stil, den Baker für dieses Buch gewählt hat ist etwas ungewöhnlich für einen Roman: Der komplette Roman ist ein Dialog zwischen seinen zwei Hauptfiguren Ben und Jay. Nur einmal kommt kurz eine andere Person, in Form eines Zimmermädchens, ins Spiel, ansonsten geht das Gespräch immer zwischen Ben und Jay hin und her.

Auch das Thema, dass eine der Hauptfiguren George W. Bush ermorden möchte, ist nicht gerade der Standard-Romanstoff. Man kann erwarten, dass Baker diese Story für eine breit angelegte Bushkritik nutzt - und genau das tut er auch. Das Buch ist von 2004, Baker bezieht sich also auf relativ aktuelle Ereignisse, die in Folge der Anschläge des 11.09.01 in der Welt passierten. Allerdings beschränkt der sich nicht nur auf Bush, auch Wolfowitz, Rumsfeld oder Cheney kommen nicht gut weg. Sämtliche Verfehlungen werden angerissen: Zwischenfälle an Kontrollposten, ungerechtfertigte Bombardements oder die Gefangenenfotos von Abu Ghraib, alles wird von Baker verwendet. Allerdings beschränkt er sich nicht nur auf kriegerische Missstände, er regt sich auch über die Hässlichkeit von Wal-Mart Filialen auf und geißelt die Abtreibung. Es wird deutlich: Dieser Mann hält vom momentanen Amerika nicht wirklich viel.

So real und korrekt wie er die ganzen Verfehlungen aufzählt, so durchgeknallt ist sein den Mord planender Charakter, Jay. Sein Plan, wie er letztendlich den Präsidenten töten will, ist mehr als nur skurril. Er hat sich ferngesteuerte, fliegende Sägen besorgt die aussehen wie kleine CDs, aber ultrascharf und absolut tödlich sind. Er arbeitet auch an einem riesigen Klotz aus angereichertem Uran, mit einem gigantischen Kugellager in der Mitte. Dieser Block könnte den Präsidenten dann einfach zerquetschen. Auch hat er sich Kugel zugelegt, die ihr Ziel selbst suchen. Man muss sie vorher nur mit dem Bild der zu erschießenden Person in eine Kiste legen, und die Kugeln finden später selber ihr Ziel.
Dieses Bild des eindeutig Durchgeknallten Jays steht im krassen Widerspruch zu seiner Informiertheit bezüglich der politischen Lage.

Allerdings bietet das Buch eigentlich nichts Neues. Sämtliche aufgezählte Kritikpunkte stimmen zwar, sind aber schon hinreichend bekannt. Da das Buch komplett als Dialog aufgebaut ist, gibt es auch sonst keine großen charakterlichen Vertiefungen, die dem Buch etwas Tiefe und Aussagekraft verleihen könnten. Eigentlich ist es Anti-Bush-Bashing wie man es von Konsorten wie Michael Moore kennt, nur ohne Moores Humor.
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