19. 09
Die USA in den 50er-Jahren. Nach außen hin eine heile Welt, doch inmitten der amerikanischen Vorstadtidylle wird ein Junge mit unvorstellbaren Grausamkeiten konfrontiert. Jack Ketchum zeigt in seinem beunruhigenden, grenzüberschreitenden Horror-Thriller die Abgründe der menschlichen Seele auf.
Allerdings ist Evil in meinen Augen eigentlich kein Horror-Thriller, sondern eine Art "Torture Porn" in Buchform.
Das Buch beginnt relativ langweilig mit der Beschreibung einer (fast) normalen Kindheit von einem Jungen names David. Er spielt oft mit drei Freunden, die ihm Nachbarhaus wohnen. Zu dieser Nachbarsfamilie stoßen nun noch zwei Mädchen, Susan und Meg hinzu, deren Eltern bei einem Autounfall ums Leben gekommen sind.
Susan und Meg kommen allerdings mit Ruth, ihrer neuen "Mutter", nicht gut aus. Ruth hat etwas gegen die beiden und schikaniert sie wo sie nur kann. Die Gewalt Ruths beginnt recht friedlich, steigert sich aber rasant...
...bis sie dann in der zweiten Buchhälfte zu blutiger Folter für Meg wird. Im Keller gefesselt, wird Meg von Ruth und ihren drei Söhnen aufs übelste gefoltert - und David traut sich nicht wirklich etwas dagegen zu tun.
Ketchum lässt dabei fast kein Möglichkeit der Folter aus. Seien es "nur" Schläge oder Tritte, das Verbrühen mit Wasser, Verbrennen mit einem Bügeleisen, Schneiden mit einem Messer, "tätovieren" mit einer heißen Nadel - fast nichts bleibt Meg erspart. Auch der Leser muss sich die Folter nicht nur zwischen den Zeilen denken, nein, Ketchum beschreibt fast alles. Nur eine einzige Folter lässt Ketchum aus, Kapitel 42 besteht nur aus wenigen Sätzen, beginnend mit "Darüber werde ich euch nichts erzählen. Ich weigere mich" - allerdings wird sich auch hier jeder die grausame Totur vorstellen können, die an dieser Stelle stehen sollte.
Das Erschreckenste: Das Szenario ist eigentlich gar nicht so unglaubwürdig. Die "Folterer" sind Kinder von 12 - unter Aufsicht einer Erwachsenen. Gewalt gehört bei Kindern eigentlich dazu, und wenn das ganze dann noch von einem Erwachsenen "überwacht" wird, kann ich mir das sinken der Hemmschwelle sehr gut vorstellen. Das Buch zeigt über seinen Umfang hinweg auch gut, wie die Gewalt sich steigert. Anfangs gibt es nur einige ruppige Spiele zwischen den Kindern, Verbrutzeln von Ameisen und ähnlichen Dingen - und steigert sich eben hin zu extremster Folter.
Lose basiert der Roman auch auf einer wahren Geschichte, dem Schicksal von Sylvia Likens - was das ganze umso erschreckender macht.
Kechums Buch ist dabei ziemlich einfach und locker geschrieben. Trotz der Gewalt, lässt es sich sehr gut durchlesen. Er schafft es sogar, dass man als Leser trotz aller Gewalt das Buch nicht wirklich aus der Hand legen kann. Am Ende fühlt man sich vielleicht etwas wie David: Unfähig der Gewalt zu entrinnen.
Definitiv kein Buch für jeden, aber ein Buch welches wieder einmal verdeutlicht, zu welchen Greueltaten Menschen fähig sind.
Passend dazu, dass Torture Porn in Zeiten von Saw, Hostel etc ja scheinbar beim Publikum gut ankommt, gibt es auch schon eine Verfilmung des Romans, The Girl Next Door, welche aber wohl noch keinen offiziellen Kinostart hat.
Leseprobe:
Tags für diesen Artikel: horror, jack ketchum



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