21. 09

Man nennt es das "Horrorhaus" - denn vor langer Zeit hat es hier eine ungeklärte Mordserie gegeben. Inzwischen ist es eine Touristenattraktion, täglich besucht von zahllosen Neugierigen.
Doch dann gibt es einen neuen Mord. Und noch einen. Und nach und nach drängt sich der Verdacht auf, dass dies kein gewöhnlicher Killer ist - dass im Keller des Hauses eine Kreatur lebt, die alles andere als menschlich ist.
Und sie fängt gerade erst an ...
(Klappentext)

Bei „[amazon asin="9783453433519!]Der Keller[/amazon]” handelt es sich mit 1230 Seiten um einen ziemlichen Wälzer. Es handelt sich vielmehr um einen Sammelband mit drei Laymon Büchern:

  • Im Keller (1980, ca. 250 Seiten)

  • Das Horrorhaus (1986, ca. 320 Seiten)

  • Mitternachtstour (1998, ca. 650 Seiten)


Auch wenn zwischen den Büchern insgesamt 18 Jahre liegen, handeln sie alle vom „Horrorhaus” und bauen relativ lose aufeinander auf. Wohl aus diesem Grund hat der Heyne-Verlag sich entschieden, alle drei Bücher als Sammelband zu veröffentlichen.
Allerdings gibt es ein Problem: Die drei Bücher sind sich viel zu ähnlich – im Grunde ist es dreimal dieselbe Story mit ein paar kleinen Variationen.
Im Grund lässt sich die Story jedes der Bücher sehr simpel zusammenfassen: Leute werden im Horrorhaus von der Bestie getötet – das ist eigentlich alles. Drumherum wirft Laymon dann noch etwas mehr Gewalt und Sex und fertig ist ein Buch.
Das erste Buch ist vom Tempo her eindeutig das Beste – auch wenn die Thematik der „Rahmenhandlung” einigen etwas sauer aufstoßen wird. Die Laymon’chen Vergewaltigungen gibt es auch hier, allerdings diesmal an Minderjährigen. Ob man Pädophilie jetzt unbedingt in solch einer Genauigkeit darstellen muss glaube ich eher weniger. Laymon wollte wohl mit seinem ersten Roman so richtig schocken und etwas möglichst geschmackloses finden, dass ist ihm auch gelungen. Lassen wir die Pädophilie jetzt mal außen vor, hat der Roman so ziemlich dass, was man von einem Laymon erwartet: Nicht viel Story drumherum, Sex, Gewalt, hohes Tempo – gar nicht mal so schlecht. Die 250 Seiten sind recht schnell gelesen und man geht doch recht optimistisch an das zweite Buch.

Hier kommt aber recht schnell die Ernüchterung. Bis auf ein paar neue Personen (und auch ein paar alte) ist es dieselbe Handlung noch mal. Die „Rahmenhandlung” wurde um Gewalt etwas erleichtert, dafür mit mehr Sex angereichert (der erste Satz des Buches lautet schon „Was du brauchst ist ein ordentlicher Fick”). Richtig öde wird es bei der Führung durch das Horrorhaus, denn hier darf man sich fast wortwörtlich dieselben Sätze wie im ersten Buch durchlesen – ungemein interessant. Irgendwann kommt dann der obligatorische Show Down im Horrorhaus und fertig. Prinzipiell dasselbe wie Buch eins, nur länger und langweiliger.

An Buch drei geht es dann schon mit etwas größeren Vorbehalten, immerhin hat das mehr Seiten als die ersten zwei zusammen. Es kommt natürlich wie erwartet: Buch drei ist eigentlich wieder dasselbe, mit noch weniger Gewalt und noch mehr Sex. Bis auf die letzten Seiten ist das Buch eine ziemlich öde „Liebesgeschichte” (so romantisch wie ein Laymon eben schreiben kann). Zwischendrin kann man eigentlich locker 100 Seiten überspringen – was Wirkliches passieren tut nicht. Die bereits (doppelt) bekannte Führung ist natürlich auch wieder mit von der Partie – es gibt wirklich spannenderes als die Story des Horrorhauses zum dritten Mal zu erfahren. Die Showdown ist diesmal auch ziemlich öde, lächerlich und kurz - mit Abstand der schlechteste Horrorhaus-Roman (Glückwunsch Laymon, je öfter die Story geschrieben wurde, umso schlechter wurde das Ergebnis *g).

Vom Schreibstil her merkt man, wie wenig sich Laymon verändert hat ;) Er hat nur gelernt, das Buch mit sinnloser Story in die Länge zu ziehen. Laymons Charaktere sind auch in diesen Büchern wieder ziemlich mies. Jeder ist mehr oder weniger dauergeil und hat nach wenigen Sätzen Sex mit irgendwem, Frauen laufen den halben Tag nackt rum, irgendjemand zu ermorden macht keinem groß was aus – Charaktere wie aus dem wirklich Leben… Diese beschreibt Laymon in seiner typischen Art – ich kenne nur wenig Autoren die solche lebensnotwendigen Informationen wie „ihre Brüste wippten“ so oft in einem Buch unterbringen kann.
Schmunzeln musste ich beim „Monsterdesign”: Ein Monster mit einem Penis mit eigenem Mund und Zähnen hat schon was :P Der Autor hat schon eine etwas sonderbare Fantasie ;)

Alles (mal wieder) ziemlicher Stuss, nur diesmal leider nicht witzig, und dann auch noch dreimal das Selbe. Meine Meinung: das erste Buch lesen (wenn man sich nicht an der Pädophilie stört) und die anderen gepflegt ignorieren. Wenn schon Laymon, dann lieber Das Spiel, dass war genauso „blöd” aber unterhaltsam ;)


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Kommentare

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Oh mein Gott, ich erwarte Schreckliches bei diesem Buch! Aber wenigstens musste ich bei deiner Rezension einige Male lachen. Was will man mehr?
Ich hatte natürlich bisher noch nichts von Laymon gelesen - offenbar auch nichts verpasst - und nun gleich die dreifache Ladung... mal sehen.
Ich werde berichten.
#1 Strandläuferin (Homepage) am 21.09.2008 18:10
Habe gestern Abend den ersten Roman des Dreiteilers zu Ende gelesen und bin sehr gespalten, wasich davon halten soll. Es ist das erste Buch dieses "Genres" war mir solche schreibweise vorher nicht gewohnt. :)

Die grösste Stärke, die ich in Laymon sehe, ist sein sehr kurzweiliger Schreibstil. Das Buch konnte mich, trotz des Teilweise doch Krankhaften Inhalts, jederzeit fesseln. Ich vergleiche es mit einem guten Actionfilm, ohne wirkliche Tiefe. Es ist sehr einfach und schnell zu lesen.

Was mich jedoch enttäuscht hat, ist wie schon von meinem Vorredner erwähnt, das Fehlen der Liebe zum Detail. (Wippende Brüste und Penise mit Mündern zähle ich da halt nich dazu) Die Charaktere werden viel zu Oberflächlich beschrieben. Man erfährt nichts über Ihre Hintergründe, Vergangenheit oder sonstiger Charakterzüge, mit Ausnhame der unglaublich hohen Potenz und Fruchtbarkeitsgelüste von Mann und Frau.

Da gefällt mir die nicht ganz so spektakuläre Schreibweise von einem Dan Brown doch um einiges besser, der es meiner Meinung nach auch besser versteht, Spannung aufzubauen. Während Brown diese durch Storywechsel manchmal fast schon überstpitzt, wird man bei Laymon mit soviel abartiger Gewalt, dreckigem Sex und kurzen Dialogen richtiggehend zugebombt.
Dies war im ersten Roman sicher noch spannend. Auch wenn sich da schon einzelne Stränge zu wiederholen begannen. Doch mein Vorredner hat meine Befürchtung bestärkt, dass dies in den noch folgenden Kapiteln stark zunehmen wird.

Ich werde das Buch sicher noch zu Ende lesen, da es noch einige offene Fragen gibt, die hoffentlich noch geklärt werden.

Mehr als 2 von 5 Punkte würde ich jedoch nicht vergeben.

Noch schnell zum Thema Pädophilie: Daran habe ich mich gestört. Einige Details hätten echt nicht umschreiben werden müssen, ungaublich wie krankhaft die Fantasien von gewissen Menschen sein können.
#2 Siedler am 11.11.2008 17:25
Hallo,

ich wollte dir auf diesem Weg nur sagen, dass ich deine Rezensionen wirklich gerne lese und sehr gut finde.
Viele der hier rezensierten Bücher (Laymon, Bentley Little, Ketchum) habe ich auch gelesen.
Vielleicht schaust du mal bei meiner Homepage vorbei, würd mich freuen.

Glg Sabine
#3 Sabine (Homepage) am 03.02.2009 15:27

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