18. 10

Zack Snyders [amazon asin="22828147"]300[/amazon] fand ich schon im Kino nicht so wirklich prickelnd, trotzdem hab ich mir mal die DVD ausgeliehen und wollte sehen ob sich die Meinung bei erneutem betrachten ändert – hat sie aber auch nicht.
Basieren tut der Film auf einem Comic von Frank Miller, der schon die Grundlage für Sin City geliefert hat. Als Aufhängepunkt der Story dient die Schlacht bei den Thermopylen von 480 v. Chr. Dort hielten ein kleiner Trupp Griechen das Perserheer lange genug auf um die Truppen im Hinterland zu verstärken. Damit hat es sich auch schon mit der historischen Genauigkeit. Zahlenmäßig bedient sich Miller der Überlieferung Herodots: 300 Spartaner kämpfen Wacker gegen ein Millionenheer von Persern – wohl nicht historisch korrekt, aber ein super Szenario für einen „Blut, Schweiß und Tränen“ Epos.
Der Film übernimmt diese Größenordnung des Comics und in den 90 Minuten Film geht es primär um eins: Schlachten.
Beginnen tut der Film mit einer heroischen Stimme aus dem Off, die einem die Selektion der Spartanerkinder erklärt. Nur die Besten und Stärksten dürfen überleben und durchlaufen eine harte Schule der Kriegskunst – eins von ihnen wird später zum Spartanerkönig Leonidas. Die darauf folgende „Handlung“ arbeitet schnurstracks auf eine Sache hin: der Aufbruch von Leonidas und seinen 300 Spartiaten in den Krieg. Zwischendrin darf Leonidas einen spartanischen Boten in ein großes Loch treten und das viel zitierte „THIS IS SPARTAAA“ brüllen – das war es dann aber auch schon an größerer Spannung.

Die darauf folgenden Schlachten gegen die Perser sind in Sachen Pathos nur schwer zu schlagen. Die Spartaner sind fast unbesiegbare Kampfmaschinen mit (CGI-)Sixpacks wie aus der Werbung, die Perser primär nicht mehr als Kanonen Schwertfutter. Unterbrochen wird das Gemetzel nur von einem grauenvoll langweiligen Nebenplot in Sparta, in der Leonidas Frau versucht den Senat dazu zu bringen, Spartas Heer zur Unterstützung zu schicken. Der Subplot glänzt durch ausdruckslose Schauspieler, Vorhersehbarkeit und Langweile – kehren wir den lieber unter den Teppich und breiten den Mantel des Schweigens auch noch darüber.
Während der Schlachten darf man dann brüllende und metzelnde Spartaner und seltsame Kreaturen auf Seiten der Perser begutachten.



Was den Film zu etwas besonders macht und ihn aus der Masse heraushebt, ist definitiv die Optik des ganzes. 300 wurde komplett vor Blue/Greenscreens gedreht und alles was man so Drumherum sieht ist CGI. So werden auch sämtliche Register gezogen: Farbfilter, Farbreduzierung, Überzeichnung, HDR und Co – alles sieht unwirklich und befremdlich aus, hat aber anfangs definitiv seinen Reiz. Vor allem in den Kampfszenen wird noch eine Schippe draufgelegt. Hier gibt es atemberaubende Kameraschwenks, extreme Slow-Motion abgewechselt mit Fast-Forwards und wilden Zooms – einige Schlachtszenen sind komplett ohne einen Schnitt. Das beeindruckt anfangs extrem.
Problem: Man sieht sich an der Künstlichkeit und der Inszenierung schnell satt. Was anfangs noch beeindruckt, ödet nach einiger Zeit etwas an, weshalb nach einer gewissen Schlachtzeit dem Zuschauer das Geschehen auf dem Bildschirm ziemlich egal wird und man sich beginnt zu langweilen.

300 ist sicher ein visuell anfangs überwältigender Film – aber Style ist eben nicht alles, ohne eine gewisse Handlung dahinter kann Style alleine nicht unterhalten.
Recht hirnloses Testosteron-Kino mit interessanter Optik.
Tags für diesen Artikel:
Derzeitige Beurteilung: 1.90 von 5, 10 Stimme(n) 4479 Klicks

Trackbacks


Keine Trackbacks

Kommentare

Ansicht der Kommentare: (Linear | Verschachtelt)

Noch keine Kommentare

Kommentar schreiben


Umschließende Sterne heben ein Wort hervor (*wort*), per _wort_ kann ein Wort unterstrichen werden.
Die angegebene E-Mail-Adresse wird nicht dargestellt, sondern nur für eventuelle Benachrichtigungen verwendet.

Um maschinelle und automatische Übertragung von Spamkommentaren zu verhindern, bitte die Zeichenfolge im dargestellten Bild in der Eingabemaske eintragen. Nur wenn die Zeichenfolge richtig eingegeben wurde, kann der Kommentar angenommen werden. Bitte beachten Sie, dass Ihr Browser Cookies unterstützen muss, um dieses Verfahren anzuwenden.
CAPTCHA