22. 02

In den Gemäuern einer Irrenanstalt im Ungarn des Jahres 1913, tritt Dr. Brenner (Ulrich Thomsen) als neuer Anstaltsarzt seinen Dienst an. Er steckt in einer Krise: Die Schreibblockade, unter der er leidet, bekämpft er mit Sex und immer größeren Mengen an Morphium. Kaum in der Anstalt wird er mit dem Fall der jungen Gizella (Kirsti Stubø) konfrontiert, einer Frau, die behauptet, vom Teufel innerlich verzehrt zu werden, die von wilden Anfällen und ekstatischen Krämpfen geschüttelt wird. Gizella und ihre Tagebücher, die sie schreibt, als ob es ums Leben ginge, ziehen ihn ob seines eigenen Unvermögens zu schreiben an, genauso wie sie ihn noch mehr seiner Kräfte berauben. Dabei hat sie nur einen Wunsch an ihn: Er soll ihr das Gehirn entfernen, damit sie vergessen kann ...



[amazon asin="B0018TF6J2"]Opium – Tagebuch einer Verrückten[/amazon] ist ein sehr langsames und ruhiges Drama - sicher nichts für jeden. Dr. Brenner ist Arzt in einer Irrenanstalt, benötigt aber wegen seiner Sex- und Morphiumsucht eigentlich eher selber psychische Beratung und leidet zudem noch an einer Schreibblockade. Er trifft in der Anstalt auf Gizella, die glaubt, dass der Teufel in sie gefahren sei und Sie innerlich verzehrt - und obendrein darunter leidet, zwanghaft Tagebücher zu schreiben. Diese beiden, jede auf Ihre Art kaputte, Seelen treffen als Arzt und Patient Paar aufeinander, kommen sich aber langsam über diese Form hinaus näher. Ein wirklicher roter Faden fehlt dem Film - er erzählt einfach nur einen kurzen Abschnitt aus dem Anstaltsleben mit vielen Monologen und keiner "Action" im eigentlichen Sinne.
Die bleibende melancholische Geschichte wird aber sphärisch dicht mit schönen Bildern und langsamen Kamerafahrten inszeniert. Das Setting in der Irrenanstalt ist sehr gut dargestellt, man fühlt sich förmlich an den Anfang des 20. Jahrhunderts zurückversetzt - inklusive Behandlungsmethoden die eher an Folter ans an Helfen erinnern.
Wirklich beeindruckt war ich von der schauspielerischen Leistung von Kirsti Stubø in der Rolle von Gizella. An zweifelt nicht einen Augenblick daran, dass man es mit einer besessene Verrückten zu tun hat. Auch die wenigen Szenen in denen sie offensichtlich kurz bei klarem Verstand ist und dann wieder in ihre Wahnwelt abdriftet - faszinierend wie sich ihr Gesichtsausdruck zwischen Wirklichkeit und Wahn verstellt.

Kein Film den man zur Aufheiterung mit einer Tüte Chips guckt, sondern eher etwas ruhiges, betrückendes.
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