11. 06

clubdumas Wer Bücher liebt, lebt gefährlich. Diese Erfahrung muss jetzt jedenfalls Lucas Corso machen, der im Auftrag von Antiquaren, Buchhändlern und Sammlern nach prachtvollen Erstausgaben, skurrilen Sonderauflagen und wertvollen Wiegendrucken sucht. Zwei bibliophile Kostbarkeiten werden dem Bücherjäger zum Verhängnis: ein kostbarer okkulter Band, dessen Drucker vor Jahrhunderten auf dem Scheiterhaufen endete, und das Kapitel eines Originalmanuskriptes von Alexandre Dumas. Sind beide wirklich echt? Manche Bücherschätze entzünden offensichtlich Leidenschaften, die geradewegs in den Wahnsinn führen...

Arturo Pérez-Revertes Roman Der Club Dumas dürften ziemlich viele kennen – wenn nicht als Buch, dann wenigstens in der Verfilmung Die neun Pforten mit Johnny Depp. Die Verfilmung hält sich recht nah an das Buch – außer der Schluss, welcher im Buch anders ist.

Wer sich von dem Buch einen unterhaltsamen, okkulten Thriller/Krimi erhofft sei gewarnt: Das ist "Der Club Dumas" definitiv nicht. Es handelt sich eher um einen Thriller für Bibliophile. Der Plot um das (fiktive) rätselhafte Buch "Buch der neun Pforten ins Reich der Schatten" wird eng mit dem Roman Die drei Musketiere von Alexandre Dumas verknüpft, und der Autor lässt es sich auch nicht nehmen, einige Fachsimpeleien, Streitgespräche und Zitate aus und um Dumas Roman in das Buch einzubauen. Auch sonst wird allgegenwärtig über alte Bücher philosophier und diskutiert – eine Freude für Büchersammler mit etwas Hintergrund, viele Fragezeichen für Gelegenheitsleser. Allerdings bleibt der Roman immer verständlich und nachvollziehbar, auch bei diesen Abstechern in die Welt der Literatur.

Neben dieser ganzen Literaturverliebtheit gibt es natürlich auch noch die okkulte und rätselhafte Story, die es allerdings recht gemächlich angehen lässt. Größere Action und ähnliches sucht man vergebens, was auch nicht zum literarischen Setting drumherum passen würde. Hier geht alles seinen ruhigeren Gang und baut langsam Spannung und Interesse beim Leser auf – vor allem wenn sich die zwei Storyfäden langsam verzahnen.

Als etwas enttäuschend empfand ich allerdings den Schluss des Buches. Diese relativ plumpe, nicht so recht glaubhafte, Auflösung will nicht zum restlichen Stil des Buches passen… Hier hätte ich mir irgendetwas anderes einfallen lassen.

Aber trotzdem ein unterhaltsames Buch, für Leser die sich vor etwas bibliophilem Hintergrund nicht stören, und auch mal etwas langatmige Gespräche über Bücher und Literatur über sich "ergehen" lassen können. Nicht ganz der Kracher wie ich mir erhofft hatte, aber OK.

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