16. 08

Kaum zu glauben, aber nach Umfragen seriöser Meinungsforschungsinstitute halten mehr als 54% aller Amerikaner die United States Constitution für ein (erfolgloses) Eishockey-Team. Mit anderen Worten: Kaum ein Amerikaner hat seine Verfassung je gelesen. Obwohl sie ihm doch u.a. das Recht einräumt, unwichtige Post ungeöffnet wegzuschmeißen. Dave Barry dagegen kennt die Verfassung. Und er weiß auch, was es mit der amerikanischen Politik insgesamt auf sich hat: Worum ging es bei der Boston Tea Party wirklich? Was ist der Unterschied zwischen einem Chief Secretary und einem Chief Chief Secretary? Wie wird man Präsident? Und was bestimmt die Geschicke der amerikanischen Nation wirklich?

Aufgrund des Klappentextes habe ich ein Buch in der Art der Bücher von Michael Moore erwartet. Moore ist zwar durch und durch subjektiv, polemisch und polarisiert stark, aber wenigstens machen seine Bücher den Eindruck, dass der Mann sich wenigstens mit dem Auskennt über das er flucht.

Die Achse des Blöden ist aber gänzlich anders. Bereits am Anfang des Buches sagt Barry, dass er für diese Buch nicht recherchiert hat. So macht sich das Buch zwar über Irrungen und Wirrungen im amerikanischen System lustig, aber auf einem ziemlich niedrigen und platten Niveau – mehr Holzhammerhumor als böse Satire.

Teilweise trifft Barry die Eigenarten der Amerikaner recht gut, sei es das Wahlsystem (und das Chaos um die Präsidentenwahl im Jahre 2000) und die Fernsehlandschaft oder die Freude der Amerikanern an Prozessen jedweder Art. Das sorgt schon für den ein oder anderen Lacher (wenn man den bescheuerten Running-Gag über Riesen-Zucchini mal außen vorlässt), ist aber weit davon entfernt als Kritik rüberzukommen.

Als seichte Komik, die sich über amerikanische Eigenarten lustig macht funktioniert das Buch ganz gut, dass war es dann aber auch. Man liest es, amüsiert sich mit dem Gedanken "Achja, bescheuerte Amis" darüber und vergisst es nach der Lektüre gleich wieder. Wer bösere Satire über Amerika sucht, sollte bei Moore bleiben. Auch wenn dieser eher Propaganda als Dokumentation betreibt, steckt doch ein Funken Wahres in seiner Kritik.

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