07. 02

martyrs Frankreich, Anfang der 70er-Jahre, ein verlassenes Industriegelände. Keine Menschenseele ist zu sehen, als sich die zehnjährige Julie schreiend und blutend durch die staubigen Straßen schleppt, dem Wahnsinn nahe, auf der Flucht vor unbekannten Peinigern. Als sie endlich aufgefunden wird, weist ihr geschundener Körper die Merkmale monatelanger Entbehrungen auf, aber keinerlei Anzeichen sexueller Gewalt. Das Mädchen wird in ein Krankenhaus eingewiesen. Täter und Motiv bleiben im Dunkeln. 15 Jahre später klingelt es an der Tür einer vierköpfigen Familie. Als der Herr des Hauses öffnet, sieht er sich Julie gegenüber – und dem todbringenden Lauf eines Jagdgewehrs.


Martyrs ist ein weiterer Vertreter des französischen Explonation-Kinos, weniger Horror als brutaler Psycho-Thriller.


Wie ach so oft beginnt das Ganze in der Vergangenheit. Mädchen werden in einem Keller gefangen und gefoltert, können aber fliehen. Etliche Jahre später macht eine davon die dafür verantwortlichen Personen ausfindig. Der Film präsentiert uns diese Familie zuerst als ganz normale Durchschnittsfamilie mit den üblichen Familienstreitigkeiten etc. Dieses Idyll erweist sich aber als Schein, denn eben diese normalen Eltern sind für die Folterungen verantwortlich.
Der “Besuch” des ehemaligen Folteropfers mit Jagdgewehr wird in einer selten gezeigten Kaltschnäuzigkeit dargestellt. Egal ob Junge oder Mädchen, Vater oder Mutter, Mitleid ist bei Rachegedanken fehl am Platze, und so findet die ganze Familie recht blutig den Tod. Danach gibt es noch ein paar Einflüsse des Asia-Horros zu sehen, denn das “Ding” welches noch für einigen Ärger sorgt hätte 1a aus The Ring und Co entsprungen sein ;)

Dieser Anfang ist noch ein relativ konventionelles Splatter/Thriller Gemisch, welcher zwar nicht mit Blut und Co geizt, aber auch keine extremen Auswüchse nimmt. Der Film dreht sich langsam, nachdem eine der beiden Mädchen (Anna) den unter dem Haus untergebrachten Folterkeller nebst gefangener Frau findet. Der total zerschundene Körper und das montierte Stahlgeschirr, welches ihr das Sehen unmöglich macht, gibt schon einen Hinweis darauf, welche Qualen die Frau in diesem Keller durchlitten hat.


Durch diese Martyrium muss Anna auch, denn nach einer Zeit tauchen mehr Mitglieder der für die Folterungen verantwortlichen Gruppe auf, und Anna landet in eben jenem Folterkeller – was den “zweiten Teil” des Films einläutet. Hier beginnt der Film auch mal etwas zu erklären – nämlich die Motivation hintern den Folterungen. Ausnahmsweise ist hier mal nicht purer Sadismus die Motivation, sondern spirituelles bzw. religiöses Suchen nach Antworten. Annas Tagesablauf besteht von da ab dann primär aus gefüttert und verprügelt werden und endet in einer Häutung.


Die rein visuelle Gewalt im zweiten Teil des Filmes ist nicht so hart wie in manchem Torture-Porn ala Hostel oder Saw, dadurch das es aber alles eine Spur realistischer wirkt (wie die Vergangenheit gezeigt hat, sind in Folterkellern gehaltene Frauen ja nicht eine reine Idee des Kinos…), geht es einem etwas mehr an die Nieren als die dargestellte Gewalt der anderen Splattervertreter.


Eine Bewertung ist bei solch einer Art von Kino nicht wirklich einfach. Gibt es bei einem Film, dessen primäre Handlung und Idee die extreme Folterung von Frauen aus “wissenschaftlichen Gründen” ein Gut bzw Schlecht? Ich denke eher nicht. Der Film ist nur für Leute denen extreme Gewalt, körperlich und physisch, in Filmen wenig ausmacht und sich auch mal auf ein blutiges Experiment in Filmform einlassen. Es ist kein Film, den man wirklich gut mit Chips, Bier und Kumpeln auf der Couch guckt, wie man es bei manch vergleichbarem Vertreter schon machen kann. Dafür ist Martyrs etwas zu “real”.


Alles in allem fand ich das Experiment des Filmes gelungen. Auch wenn man sich frägt, warum Anna das anfangs Haus nicht einfach verlässt – dass hätte ihr die komplette zweite Hälfte des Filmes erspart ;) Der spirituelle Hintergrund der Folterungen ist Geschmackssache – ich fand es interessant mal einen anderen Hintergrund bei solch einem Film zu haben und nicht nur die gemeine “Lust an Gewalt”. Auch wenn der Schluss des Filmes den Zuschauer mit einem dicken “Was hat sie wohl erfahren…” Fragezeichen zurücklässt – aber eine andere Lösung des Filmes wäre nicht wirklich möglich gewesen.

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