23. 05

Wahnsinn: Roman Cover Image
Titel:Wahnsinn: Roman
Autor:
ISBN:3453675525
Verlag:Heyne Verlag
Seitenzahl:352
Preis:
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Schon bald nach ihrer Hochzeit entdeckt Liddy die sadistische Ader ihres Manns Arthur. Nach der Geburt ihres Sohn gerät er zunehmend außer Kontrolle. Er verletzt Liddy, schlägt und missbraucht sie. Um ihres Kindes willen erträgt sie zunächst schlimmste Qualen. Doch dann gegreift Liddy, wie wahnsinnig Arthur tatsächlich ist, und nimmt den ungleichen Kampf auf.

Ketchum is ja bekanntlich kein Kind von Traurigkeit, und so wählt er als Hauptmotiv dieses Romans Kindesmissbrauch und häusliche Gewalt. Allerdings erwartet den Leser keine übertriebene Darstellung von Gewalt wie in Evil oder Beutezeit - Wahnsinn ist friedlicher und geht eher in die Psychothriller-Richtung.

Das Buch beginnt mit kurzen Episoden aus der Kindheit und Jugend von Liddy und Arthur hin zur Hochzeit der beiden. Nach der Hochzeit beginnt Liddy zu erkennen, wie Arthur wirklich tickt, beginnend mit nicht ganz alltäglichen Sexspielchen bis hin zu handfester Gewalt. Aufgrund dessen reicht sie die Scheidung ein und teilt sich fortan mit Arthur das Sorgerecht für ihren Sohn Robert, für den Arthur ein hingebungsvoller Vater zu sein scheint. Allerdings entdeckt Liddy eines Tages, das Arthur Robert wohl sexuell missbraucht und verklagt ihn deshalb, in der Hoffnung das alleinige Sorgerecht für Robert zu erhalten.

An diesem Punkt ändert sich der Roman fast zu einem gewöhnlichen Justiz-Thriller. Man erhält einblicke darin, wie Liddy und ihr Anwalt versuchen Arthur hinter Gitter zu bringen und Robert zu einer Aussage gegen seinen Vater zu bewegen sowie wie die Gegenseite an der Verteidigung bastelt. Problem hierbei: Das ganze ist doch recht langweilig gehalten - viele Teile der Verhandlung kann man einfach ohne größere Probleme überblättern, da eh nichts grundlegendes passiert.

Der Ausgang der Verhandlung ist ein zweischneidiges Schwert... (Achtung - Spoiler folgen) Einerseits zeigt Ketchum, wie unfähig bzw hilflos die Justiz bei solchen Problemen sein kann. Die Aussage ist relativ klar, ohne Aussage des Betreffenden und nur nach Indizien tut sich ein Gericht schwer, einen Schuldspruch in einer solch heiklen Frage zu vollstrecken. Andererseits ist die Entscheidung, den Jungen zu Arthurs Eltern zu stecken und der Mutter zu entziehen, weil diese andeutete sich nicht jedem Urteil beugen zu wollen, etwas arg an den Haaren herbeigezogen. Ich denke nicht, dass dies irgendein Gericht so entscheiden würde. Allerdings bringt diese Entscheidung die Möglichkeit zum letzen Mal das Genre zu wechseln, weg vom Justiz-Thriller hin zur klassischen Revenge-Story. Nun darf Liddy nämlich zur Waffe greifen und das leidige Problem auf eigene Faust lösen, wenn schon die Justiz unfähig zu sein scheint. 

Was wirklich störend wirkt im Buch, ist der eingefügte Subplot rund um die Frauenmorde. Keine Ahnung ob hier der Verlag gesagt hat "Jack, für deine Verhältnisse fehlt in dem Buch eindeutig Gewalt, bring doch noch ein paar gekreuzigte und missbrauchte Frauen unter." oder ob Ketchum mal eine wirkliche Idee hinter diesem Handlungsstrang sah. In dieser Form bleibt nur zu sagen, dass der Strang total sinnlos ist. Wer der Bösewicht ist, ist eh jedem sofort klar, aber in Sachen Charakter- oder Storyentwicklung bringt das ganze überhaupt nichts - die Kapitel wirken wie ein störender Fremdkörper im Buchkontext.

Ketchum schafft es immerhin, von seinen Charakteren ein recht glaubhaftes Bild zu zeichnen. Die "dummen Reaktionen" halten sich ziemlich in Grenzen und bis zum Rache-Teil wirkt das Buch auch recht realistisch und glaubhaft. 
Auch wenn Ketchum ganz offensichtlich die Justiz in ihren Handlungsweisen kritisieren wollte, übertreibt er es hier stellenweise etwas. Liddy bekommt doch arg wenig Unterstützung im Kampf gegen ihren Mann, etwas mehr sollte auch in Amerika ohne wirkliche Beweise in einem solchen Fall getan werden.

Alles in allem eine recht interessante Lektüre, wenn auch mit einem schwierigem Thema das nicht jedermanns Geschmack sein dürfte. Allerdings triftet Ketchum nicht in sinnlose Gewalt ab (die Serienkiller-Episoden ignorieren wird wegen ihrer Sinnlosigkeit hier einfach mal) und behandelt das Problem auf einem ernsten Level. 

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