03. 02

Die Stadt der Blinden [Blu-ray] Cover Image
Titel:Die Stadt der Blinden [Blu-ray]
Regisseur:
Jahr:
Laufzeit:121 min
Freigabe:Freigegeben ab 12 Jahren
Amazon-Preis:EUR 6,67
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Von einer Sekunde zur anderen verliert ein Mann am Steuer seines Wagens das Augenlicht. Zunächst wird ein medizinischer Sonderfall vermutet, doch als kurz darauf auch seine Frau, sein Arzt und alle Menschen, die mit ihm in Kontakt standen, erblinden, ist die Epidemie schon nicht mehr aufzuhalten. Aus Angst vor Ansteckung werden alle Betroffenen ohne weitere Behandlung in einer ehemaligen Nervenheilanstalt interniert und sich selbst überlassen. Immer mehr Opfer werden in die überfüllten Räume gepfercht, wo bald Chaos, Gewalt und Anarchie um sich greifen. Doch unter ihnen gibt es einen Menschen, der von der Epidemie verschont geblieben ist.

Stell dir vor, es legt sich plötzlich ein weißer Schleier vor deine Augen, er wird immer dichter und verschwindet nicht mehr – du bist blind.
Genau dies ist das Schicksal, welches nach und nach die Bürger in der Verfilmung von José Saramagos "Stadt der Blinden" ereilt. Plötzliche Blindheit, ohne erkennbaren Grund, ohne Therapiemöglichkeit, dafür aber ansteckend.

Nach den ersten Fällen handelt die Regierung, wenn auch auf hilflose und extreme – und somit nicht sehr glaubwürdige – Art und Weise. Die Infizierten werden von Spezialteams eingesammelt (ob sie wollen oder nicht) und in eine ehemalige Nervenheilanstalt gepfercht. Hier werden sie, ohne irgendwelche Betreuung oder Hilfe (abgesehen von Essensrationen), einfach sich selbst überlassen – bewacht vom Militär, damit niemand aus dem Gebäude fliehen kann.
Die ersten Bewohner haben insofern Glück, als dass sich die Frau des erblindeten Augenarztes unter Quarantäne stellen lässt, indem sie vorgibt, ebenfalls erblindet zu sein. So darf sie als einzig Sehende für die immer größer werdende Horde Erblindeter sorgen.

Was folgt, ist mehr oder weniger der Ablauf ein jedes Knastfilms. Die Menge der Einkasernierten wächst immer stärker an, und es kommt zu Spannungen zwischen den einzelnen Stationen. Eine reißt die Macht und die Essensrationen an sich, und zwingt die anderen Stationen, für ihr Essen zu zahlen. Erst mit Wertgegenstände, dann mit Liebesdiensten der Frauen. Es kommt wie es kommen muss: Zum gewaltsamen Konflikt. Dies alles sind gewöhnliche (Film-) Probleme wenn man eine Horde Menschen zusammensperrt. Der Umstand der Blindheit tritt hier fast nur durch ungelenkes Herumstolpern zutage.

Etwas interessanter wird der Film wieder, nachdem die Gefangenen die Anstalt verlassen und zurück, in einem mittlerweile vollständig erblindete Welt, kehren. Hier kommt man beim Anschauen doch auf den ein oder anderen interessanten "Was wäre wenn.." Gedanken.

Das Thema an sich ist schon interessant, und auch mal etwas neben dem üblichen Einheitsbrei – allerdings krankt es an der unglaubwürdigen Behandlung der Blinden und dem Verhalten der Betroffenen.

Vielleicht ist aber auch das Medium Film das Problem – der Roman galt schließlich lange als unverfilmbar. Trotz der Laufzeit von 2h hat man immer das Gefühl, dass einfach einiges fehlt. Bis auf kurze Pressekonferenzen erfährt man so gut wie nichts über die Welt außerhalb der Anstalt. Was wird versucht um der Krankheit Herr zu werden? Wie breitet sich die Krankheit weiter aus? Auch die Kirchenszenen, die mit Halteseilen und verbundenen Augen von Statuen irgendwie darauf schließen lässt, dass noch ein weiterer Sehender in der Umgebung ist, bleibt einfach so im Raum stehen. Sie wird nur einmal kurz bei einem Gespräch der Gruppe thematisiert, fällt dann aber komplett aus der Story.  
So bleibt der Zuschauer voller Fragen bezüglich des warum, woher und wieso vor dem Fernseher zurück.

Visuell hat der Film einige interessante Szenen, in denen er mit überstrahlenden Weißwerten arbeitet, um die Welt aus Sicht der Erblindeten zu zeigen. Sonst ist die Qualität der Blu-Ray etwas widersprüchlich. Einerseits gibt es Szenen mit vielen, feinen Details, andererseits fällt, vor allem in dunkleren Szenen, starkes Filmkorn auf – was die Szene teilweise echt stört.

Ich habe mir von der Verfilmung definitiv mehr erwartet. Ich denke, ich werde mir bei Gelegenheit mal die Literaturvorlage zu Gemüte führen – vielleicht erfährt man da etwas über die ganzen offenen Punkte.

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Derzeitige Beurteilung: 2.67 von 5, 12 Stimme(n) 3748 Klicks

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Kommentare

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Hallo,

du schreibst so gute und ausführliche Filmrezensionen und postest die nicht bei uns im Forum?

Ich bin mir sicher, dass deine Texte viele User des Forums interessieren würden. :)

MfG, Q
#1 Q-Marine (Homepage) am 18.02.2011 19:38

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