30. 11

Ihr konntet Helden noch nie leiden? Ihr wolltet schon immer Herr eines eigenen Dungeons sein? Ihr trauert etwas den alten Zeiten nach, als Grafiken noch sichtbar aus Pixeln bestanden? Ihr könnt euch auch ab und an vom PC lösen, um mit Freunden Brettspiele zu spielen? Dann könnte Boss Monster für euch einen Blick wert sein.

Boss Monster ist ein recht einfaches Kartenspiel für 2 bis 4 Spieler, in dem ihr den Boss eines Dungeons verkörpert. Als solcher baut man seinen Dungeon mit einzelnen Räumen aus, die einerseits einen Schatzwert haben, und somit Helden anlocken, und andererseits Helden in ihnen einen gewissen Schaden zufügen. Darüber hinaus haben die Räume noch Eigenschaften, die es euch z.B. erlauben weitere Karten zu ziehen, andere Räume verstärken oder bestimmte Effekte auslösen können. Natürlich ist es euer Bestreben, dass euer Dungeon so gut ist, dass er viele Helden anlockt und diese Helden in eurem Dungeon sterben - denn gestorbene Helden bringen euch Seelen, wohingegen Helden die euren Dungeon überleben euch Schaden zufügen. Neben den Räumen habt ihr auch noch die Möglichkeit das Spielgeschehen mittels einiger Zaubersprüche zu beeinflussen. Die Sprüche reichen von „nützlich für mich“ Sprüchen wie Schadenserhöhung für einen Raum oder Schaden für einen Helden bis „ärgerlich für den Gegner“ wie Stärkung eines Helden oder Wiederauferstehung eines bereits besiegten Helden.

Der Ablauf des Spieles ist eigentlich ziemlich simpel. In der Bauphase bauen Spieler ihren Dungeon aus, dann werden die Helden, je nach Anziehungskraft des Dungeons, auf die Dungeons verteilt und in der Abenteuerphase wandern die Helden durch die Dungeons der Spieler. In den einzelnen Phasen dürfen die Spieler jeweils Zaubersprüche (falls der Spruch für die Bau-/Abenteuerphase zugelassen ist) zur Beeinflussung des Geschehens wirken.

Boss Monster Kickstarter-Edition einige Boss-Karten einige Helden einige Räume ein ausgebauter Dungeon
Für den Dungeonbau stehen diverse Monster- und Fallenräume zur Verfügung. Jeder Raum hat einen Stärkewert. Dieser entspricht dem Schaden, den der Raum einem durchlaufenden Helden zufügt. Ebenso hat er einen gewissen Schatzwert und Schatztyp (es gibt insgesamt vier verschiedene Schatztypen). Diese Schätze sind wichtig, da sie die Attraktivität des Dungeons für Helden definieren. Jeder Held steht auf einen bestimmten Schatztyp und wird sich zu dem Dungeon bewegen, der von diesem Typ am meisten Schätze zu bieten hat. Hier muss man beim Bau also immer ein Auge auf die aktiven Heldenbedürfnisse und die gegnerischen Dungeons haben. Der tollste und stärkste Dungeon nützt nämlich nichts, wenn die gebotenen Schätze nicht stimmen und sich deshalb kein Held in den eigenen Dungeon verwirrt. Neben den Standardräumen, die jederzeit in der Bauphase von anderen Räumen überbaut werden können, gibt es noch stärkere „Upgraderäume“, welche allerdings nur auf Räumen des gleichen Schatztyps errichtet werden können. Die maximale Länge eines Dungeons ist auf fünf Räume limitiert, weshalb man im Spiel laufend Räume durch neue ersetzen muss, um sich neuen Helden, und damit anderen gefragten Schatztypen, anzupassen.
Allerdings reicht es nicht nur ein Auge auf die Schatztypen und die Schadenswerte der Räume zu haben, denn jeder Raum hat auch noch eine spezielle Fähigkeit. Manche Fähigkeiten wie „beim Bau des Raumes ziehe einen Zauberspruch“ sind recht einfach. Andere wie „wenn ein Held in diesem Raum stirbt....“ erfordern etwas mehr Überlegung bezüglich der optimalen Platzierung.
Das Grundprinzip des Spieles ist also ziemlich einfach - allerdings dauert es etwas, bis man aus den ganzen verschiedenen Räumen und Fertigkeiten ein paar gute Kombinationen herausfindet.

Die Helden werden zwar im Laufe des Spiels stärker, sind aber nie die wirklichen Gegner dieses Spiels. Die eigentlichen Gegner sind definitiv die anderen Mitspieler mit ihren Dungeons. Oft plant man seine eigenen Dungeon ganz toll durch, um dann festzustellen das man die Rechnung ohne seine Mitspieler gemacht hat, da die Helden sich lieber den gegnerischen Dungeons zuwenden als dem eigenen. So baut zwar jeder für sich, trotzdem kommt man sich immer wieder bei den Helden in die Quere. Darüber hinaus bieten die Zaubersprüche eine weitere Möglichkeit der Interaktion zwischen den Mitspielern. Nichts ist ärgerlicher als ein Mitspieler, der dem Stärke 11 Helden noch einen +3 Boost verpasst, und so die schöne Planung zunichtemacht.

Boss Monster ist schnell erklärt, schnell verstanden und (wenn man mal grob die Karten kennt) auch schnell gespielt. Große taktische Tiefe gibt es nicht, aber durch die schlaue Kombination einiger Raumeffekte kann man doch die ein oder andere interessante Kettenreaktion auslösen. Die Zaubersprüche lockern das Spiel definitiv auf - auch wenn man immer arg wenige davon auf der Hand hat. Einige „den Helden töte ich jetzt mit meinem Zauberspruch“ - „Nein machst du nicht, ich spiele Counterspell“ Situationen erinnern dann an den Ärgerfaktor eines Munchkins.
Auch zu zweit ist Boss Monster gut spielbar, auch wenn es bei nur zwei Spielern keinen so großen Konkurrenzkampf um die Helden gibt, da man die Dungeons oft so baut, dass die Spieler sich auf verschiedene Schatztypen spezialisieren.

Boss Monster gibt es momentan nur auf Englisch und ich wüsste auch nicht, dass es bei einem deutschen Händler verfügbar wäre (wobei amazon es immerhin im Katalog hat - wenn auch nicht lieferbar). Allerdings sollte das Spiel mit normalen Englischkenntnissen gut spielbar sein - so komplex sind Regeln und Kartentexte nämlich nicht. Für Brett- und Videospielfans definitiv ein empfehlenswertes Spiel.
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