29. 09

Menschen optimieren ihre Körper mit Hilfe von Apps, teilen ihre persönlichen Daten in der Cloud und laufen mit Google Glass durch die Straßen, um ihr Leben als Videoclip mitzuschneiden und für immer abzuspeichern. Sieht so unsere Zukunft aus?

Lifelogging: Wie die digitale Selbstvermessung unsere Gesellschaft verändert Cover Image
Titel:Lifelogging: Wie die digitale Selbstvermessung unsere Gesellschaft verändert
Autor:
ISBN:3430201675
Verlag:Econ
Seitenzahl:368
Preis:
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Eigentlich ist das Thema Lifelogging zu der heutigen Zeit recht interessant und spannend. Dadurch, dass Smartphones mittlerweile zu einem Standard geworden sind, ist die Möglichkeit möglichst viel seines eigenen Lebens in Daten zu fassen nicht mehr Technikfreaks vorbehalten. Neben Smartphones und ihren Logging-Apps, welche man heute schon fast wieder zum alten Eisen zählen kann, kommen auch immer mehr dedizierte Geräte auf den Markt, deren primäres Ziel die Protokollierung unseres Alltags ist. Man denke nur an die ganzen Fitnessarmbänder wie Jawbone, Nike+ oder FitBit, deren einziger Zweck es ist unsere tagsüber unsere Fitness / Bewegung aufzuzeichnen und nachts den Schlaf zu analysieren. Auch die ganzen aufkommenden Smartwatches verfügen fast alle über diese Funktionen – auch Apple will ja nun mit seiner Apple Watch ein Teil dieses (scheinbar) wachsenden Marktes für sich beanspruchen.

Insofern ist es sicher an der Zeit, sich auch mal aus gesellschaftlicher Sicht mit diesem Phänomen des Lifeloggings und seinen Vor- oder Nachteilen zu beschäftigen. Stefan Selke widmet sich in seinem Buch zwar genau diesem Thema, tut dies allerdings so trocken und langatmig, dass er den Leser doch recht schnell die Lust am Thema verleitet.
Schon klar, dass es sich bei Lifelogging primär um ein Sachbuch handelt, und ein Professor für „Gesellschaftlichen Wandel“ vielleicht nicht so locker schreibt wie ein Bestsellerautor – aber Selkes Buch liest sich einfach zu langweilig und trocken und schafft es nicht, den Leser für das Thema zu gewinnen. Wenn alleine 32 Seiten des Buches (fast 10 % des Buche) für die Fußnoten mit Literaturhinweisen draufgehen kann man schon erahnen, dass es sich um einen etwas trockeneren, eher wissenschaftlichen als unterhaltsamen, Text handeln könnte.

Selke hat auch eine eher negative Sicht auf das Thema und warnt vor den gesellschaftlichen Risiken eines möglichen Kontrollwahns und die Abgabe der Kontrolle über sich selbst an Apps und Maschinen. Allerdings weiß ich nicht, ob Selke seine Kritik nicht zu sehr auf die Extreme dieser Selbstvermessung bezieht. Im Buch gibt es viele Beispiele von totaler Selbstvermessung – welche allerdings in der heutigen Zeit wohl nur von ein paar extrem Technophilen praktiziert wird. Auch ist dieser Trend der Extreme eher in Amerika als in Deutschland verbreitet.

Allerdings hat Selke wohl Recht, dass bei unvorsichtiger Nutzung dieser Selbstvermessung ein Verlust der Privatsphäre und damit die Gefahr einer Überwachung steigt. Viele dieser erhobenen Daten könnten für Firmen und Versicherungen interessant sein. Die Krankenkasse hätte Interesse an unseren Fitnessdaten, die KFZ Versicherung an den Telemetrie- und GPS-Daten, der Arbeitgeber an so vielen Daten wie möglich. Hier liegt es an uns und der Gesellschaft, zu versuchen eine gewisse Hoheit über die Daten zu behalten und nicht alles unkontrolliert in die Cloud und die große weite Welt des Internets zu streuen.

Das Thema ist interessant und wirft einige Fragen auf, mit denen man sich beschäftigen sollte, bevor man seine Lebensgeschichte ins Netz pustet. Leider ist Stefan Selkes Beschäftigung mit dem Thema zu trocken und zu wissenschaftliche ausgefallen, als dass es bei der breite Masse eine tiefere Beschäftigung mit dem Thema auslösen könnte.
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