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Titel:Stern Krimi-Bibliothek, Band 2: Vaterland
Autor:
ISBN:3570068331
Verlag:Bertelsmann
Seitenzahl:425
Preis:EUR 12,70
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[amazon asin="3570068331"]Vaterland[/amazon] ist ein spannender Krimi in einem „Was wäre wenn Hitler den Krieg gewonnen hätte?“ Szenario:
Berlin 1964. Die Leiche eines nackten alten Mannes ist ans Ufer der Havel getrieben. In der nächsten Woche ist Führers 75. Geburtstag. Das von Albert Speer erbaute Berlin ist an diesem Nationalfeiertag herausgeputzt und beflaggt. Großdeutschland, das die europäische Gemeinschaft dominiert, reicht vom Rhein bis zum Ural, wird von ständigen Partisanenkriegen im Osten zermürbt. Die Beendigung des Kalten Krieges mit den USA ist Ziel der neuen Außenpolitik. Mit Präsident Kennedy wird erstmals ein amerikanischer Regierungschef zum Staatsbesuch erwartet. Vor diesem Hintergrund kommt das plötzliche, gewaltsame Ableben eines hohen Parteibonzen höchst ungelegen und muss sofort geklärt werden. Kripo-Sturmbannführer März ermittelt, gerät mit Hilfe der deutschstämmigen amerikanischen Journalisten Charlie Maguire gefährlich nah an die historische Wahrheit, die ihn von Berlin nach Zürich und leider wieder zurück führt.

Harris lässt seinen Roman im Jahre 1964 in Berlin spielen, dem Zentrum des großdeutschen Reiches. Er schafft es, ein glaubhaftes Bild von Berlin zu zeichnen, dass auf den Plänen Speers basiert. Sämtliche Träume Hitlers sind war geworden, und Gebäude wie die Große Halle sind einzigartig in der Welt. Berlin ist monumental aber seelenlos. Der Staat ist ein Gemisch aus dem Nazi-Staat der 40er und dem vom Orwell beschriebenen Überwachungsstaat in 1984. Wohl als kleine Referenz an Orwell wird auch in den Berliner Stadtarchiven unerwünschte Geschichte verändert oder gelöscht.
Zu diesen fiktiven, aber glaubhaften, Dingen hat Harris geschickt historische Tatsachen eingebaut. Ein Großteil der im Roman mitspielenden Personen sind real existierende Personen der Nazizeit, wie Artur Nebe, Reinhard Heydrich, Odilo Globocnik und andere. Auch die Dokumente der Wannseekonferenz, die eine wichtige Rolle spielen, existieren in dieser Form.
Eben diese Verkettung von Fiktion und historischer Wahrheit macht das Szenario so glaubwürdig.

Umso ärgerlicher, dass der Aufbau der Kriminalgeschichte höchst konventionell ist: Guter Polizist, ein schönes Mädchen ein Verräter. Nichts was man nicht unzählige Male auch in anderen Romanen gelesen hat. Aber wenigstens versteht es Harris, die konventionelle Story spannend zu erzählen. Trotzdem hätte das Szenario wirklich etwas mehr hergeben können.

Alles in allem ein guter Roman mit sehr überzeugendem Setting und leichten Schwächen in der Story.
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